Startseite · Presse und Berichte · Presseartikel · Pilzwanderung 2011
Pilzwanderung 2011
„Dann reicht es noch für die Vorspeise“Natur: Nach der Worfelder Pilzwanderung wandern etliche Exemplare in den Giftkorb des Experten Harald Lutz
WORFELDEN.
„Das ist ein Täubling, der bricht glatt“, informiert Harald Lutz und hält einen cremeweißen Pilz in die Höhe. Rund 50 Frauen, Männer und Kinder mit gut gefüllten Pilzkörben in den Händen umringen den geprüften Pilzsachverständigen der Ortsgruppe Worfelden des Naturschutzbunds (NABU) vor dem Bürgerhaus. Zwei Stunden zuvor hatte sich die Gruppe zur Pilzwanderung im Wald zwischen Worfelden und Klein-Gerau getroffen.
Die Zellstruktur des Pilzes, sei dafür verantwortlich, dass dessen Fleisch bricht, ohne zu zerfasern, erklärt Lutz und dreht dabei den Täubling. Die Truppe der Teilnehmer ist bunt gemischt. Von erfahrenen Pilzexperten bis zu Neulingen, die sich noch nie ans Pilzsammeln heran gewagt haben, sind alle vertreten. Immer wieder bekommt Lutz einen Pilz gereicht und startet eine Erklärung: „Ein Milchling, ein naher Verwandter des Täublings“, kommentiert er einen der Funde.
Eine Geschmacksprobe soll klären, ob er essbar ist. Schmecke er mild, kann er in die Pfanne, bei bitterem oder scharfem Geschmack muss er aussortiert werden. „Der ist leider ungenießbar“, urteilt der Pilzexperte über den hübsch anzusehenden Samtfuß-Krempling. Der braune Lamellenpilz mit dem dicken Fruchtfleisch wandert daher direkt in den Korb mit den giftigen Pilzen, in dem schon einige Knollenblätterpilze auf ihre Entsorgung warten.
Als nächstes hält Lutz einen Maronenröhrling mit einem halbkugelförmigen Hut in der Hand. „Der schmeckt sehr lecker“, weiß Lutz. „Die berührungsempfindlichen Röhren sind gelb und verfärben sich bei Berührung blaugrün.“
Pilze nur mittels Büchern zu bestimmen, sei riskant, warnt Lutz. Vor allem sollte darauf geachtet werden, nicht zu alte Bücher zu benutzen, denn früher für unbedenklich gehaltene Pilze würden heute mitunter als giftig oder ungenießbar betrachtet. „Der sieht gefährlich aus, ist aber wertvoll wie ein Steinpilz“, sagt Harald Lutz, als ihm ein Hexenröhrling gereicht wird. Kein Esspilz sei hingegen der graue Strubbelkopfröhrling mit seinen abstehenden Schuppen.
„Wir hatten noch gar keinen Gelben Knollenblätterpilz“, wundert sich Lutz, und prompt wird aus einem Korb der im rohen Zustand giftige Pilz herausgehoben und dem allmählich anwachsenden „Giftkorb“ hinzugefügt. „Den hatte sogar schon Ötzi dabei“, weiß Lutz über den Birkenporling zu berichten, der als Teeaufguss Magenschmerzen beseitigen soll.
Einen chinesischen Heilpilz, den Lackporling, hat ein Damentrio aus China und Indonesien entdeckt. Der sei in China sehr teuer, erklären die Damen. Auch Katja Arndt aus Dornheim und ihr Sohn Sven haben fleißig Pilze gesammelt. Sie sind zum ersten Mal dabei und haben sämtliche gefundenen Pilze mitgenommen, darunter auch Steinpilze und Boviste. „Vier Pilze kennen wir jetzt schon“, freut sich Arndt.
Nachdem Experte Lutz in ihrem Korb die giftigen Pilze aussortiert hat, bleiben zwar nur noch wenige übrig, doch das trübt nicht im Geringsten die gute Laune von Mutter und Sohn. „Dann reicht es halt nur noch für eine Vorspeise“, meinen sie lachend.
Marko Schmidt aus Worfelden geht hingegen schon seit 20 Jahren in die Pilze. Perlpilz, Parasol, Täublinge und Maronenröhrlinge hat er im Korb liegen und weiß auch, wie man sie am besten zubereitet: „Gut putzen, klein schneiden, salzen, pfeffern und dann durchbraten.“
(Groß-Gerauer Echo, 29.9.2011)
09.12.2011. 14:59



